
Das Herz schlägt historisch. Die Menschen brauchen es, sie gebrauchen es aber auch – im Denken und den Riten, mit denen sie sich den Spiegel ihrer Lebenswelt vorhalten. Die Historikerinnen Dr. Michaela Hohkamp, Dr. Gabriele Jancke, Claudia Jarzebowski, M.A., und Prof. Dr. Claudia Ulbrich nähern sich dem Forschungsfeld von drei Seiten her – von der Gewalt und Vernichtung, der Herrschaft und Ordnung, der Ehrung der Toten und Repräsentanz des Lebendigen. Die Wege scheinen auseinander zu streben und doch kreuzen sie sich nicht nur im Sinnbild des Herzens. Denn dessen Metaphorik füllt seinen Assoziationsraum – jenseits simpler Gefolgschaft dessen, was in den Büchern steht – aus den Korrespondenzen und Reibungen von Lust, Angst und Begehren, den Wünschen nach Sicherheit und Ordnung, aus der Emotionalität sozialen Seins und dessen Umschlagen in den pädagogischen Ton, wie dies im Verzehren, Regieren und Bestatten Geschichte wird.

Mann, der sein eigenes Herz verzehrt
- um 1500
„...aber der Cörper
zerstücket und nebenst dem Herzen zugekocht...”
Cor amantis non
angustum
In einer Novelle des Decamerone erzählt der italienische Dichter
Boccaccio die Geschichte von Guiglielmo Rossiglione (Wilhelm von
Roussillon), der seiner Frau das Herz ihres Geliebten, den er
umgebracht hat, zu essen gibt. Als sie davon erfährt, stürzt
sie sich aus dem Fenster und stirbt. Geschichten wie diese sind in der
Literatur häufig überliefert und zeigen den besonderen
Stellenwert des Herzens im Umfeld von Liebe und Rache. Dabei handelt es
sich um ein Motiv, das sich auch noch im 17. Jahrhundert großer
Beliebtheit beim Publikum erfreute. In Shakespeares Komödie Much
Ado About Nothing (Viel Lärm um Nichts) etwa äußert
Beatrice ihre Rachegelüste wegen des Verrats, den ein untreuer
Liebhaber ihrer Cousine angetan hatte: „O God! that I were a man!
I would eat his heart in the market-place.”
In ganz andere Zusammenhänge führen Texte, die im Umfeld
frühneuzeitlicher Gerichtspraxis entstanden sind. Zwar geht es
auch hier um den Verzehr menschlicher Herzen, doch handeln diese
Geschichten nicht mehr von Liebe und Leid, Herz und Schmerz, sondern
von Folter, roher Gewalt und Grausamkeit. Ein besonders instruktives
Beispiel einer solchen Quelle ist der „Wahrhafftige und
gründliche Bericht von den unerhört begangenen grausamen und
schröcklichen Mordthaten / Ehebruch / Hurerey / Blutschande /
Sodomiterey / Mordbrändt und Diebstalen der einander nahe
verwanten Personen”. Erzählt wird die Geschichte der Familie
Liehmann, die im Jahr 1661 angeklagt und hingerichtet wurde. In dieser
Quelle aus dem 17. Jahrhundert wird die Verurteilung dieser Bande
gerechtfertigt, der über 30 Raubmorde zugeschrieben werden. In
drei Anklagepunkten wird den Liehmanns vorgeworfen, 16 Herzen
„gefressen” zu haben. Erstens wird Hans Liehmann
beschuldigt, gemeinsam mit seinem Schwager „sein eigen Kind, so
bald dasselbe zur Welt geboren [...] angegriffen [...] dem Kind anfangs
das Häuptlein mit einer Axt abgehauen, hernach ihme den Leib
aufgeschnitten, das Herz und Eingeweide heraußgenommen” zu
haben. Dann seien „Eingeweide sambt dem Haupte zwar begraben,
aber der Cörper zerstücket und nebenst dem Herzen zugekocht
[worden], welches hernachen sein gegenwertiges Weib, sein gegenwertiger
Sohn und der Georg Wampe gefressen”. Zweitens hätten die
Männer fünf Frauen „nach einander genothzüchtiget,
nach diesem aber mit einer Axt vor den Kopf geschlagen, sie gleichfals
auffgeschnitten und (von ihnen) das Herze gefressen”, drittens
hätten die Liehmanns fünf schwangere Frauen „annoch
lebendig auffgeschnitten und von ihren Leibesfrüchten, so
gleichfals gelebet, die Herzen gerissen”.
Bislang weiß die Geschichtswissenschaft über solche
Geschichten und ihren möglichen realhistorischen Bezug wenig. Aber
eines ist gewiss: Exempel wie diese hatten didaktischen Charakter.
Indem sie die begangenen Gewalttaten in Wort und Bild besonders
drastisch schilderten, sollten sie den Untertanen die Notwendigkeit
einer ordnenden Obrigkeit vor Augen führen, sie zu Gehorsam
anleiten und verhindern, dass die zuschauende Öffentlichkeit
Mitleid oder Sympathie mit den Hingerichteten empfinden konnte.
Vergleichbares lässt sich auch über historische Quellen
sagen, die über ein Jahrhundert früher von rituellem
Kannibalismus auf dem gerade neu entdeckten südamerikanischen
Kontinent berichteten. Als „Wahrhafftige Historia”
erzählen sie vom Verzehr gekochten oder gebratenen
Menschenfleisches, über dem Feuer in Töpfen oder auf Rosten
gegart. Wie die neuere Forschung gezeigt hat, sind auch hier Zweifel an
der Authentizität der Berichte angebracht. Die Funktion solcher
Imaginationen ist aber sicherlich als der didaktische Versuch zu
deuten, die Bevölkerung der Neuen Welt ins moralische Abseits zu
stellen und den bereits von Zeitgenossen kritisierten Völkermord
an der einheimischen Bevölkerung zu legitimieren.
„Wenn man die Toten [...] ißt, hat man Ruhe, das Herz klopft nicht”
Im Gegensatz zu
Berichten über Menschenfresserei auf dem europäischen
Kontinent, die etwa vom Verzehr eines feindlichen Herzens in den
Niederlanden 1672 erzählen, sind Herzen in Beschreibungen
über kannibalische Praktiken in den neu entdeckten Ländern
Südamerikas kein Thema.

Bilder von kannibalischen Indianern
wie dieser Kupferstich von Theodor de Bry aus dem Jahr 1593 spiegeln
die mittelalterliche Vorstellung von den fremden Wilden in der Neuen
Welt wider. Mit der Realität hatten sie nichts gemein. Original:
Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz,
Kunstbibliothek.
Allein das Trinken
von Blut oder das Verspeisen von anderen inneren Organen – Lunge,
Leber etc. in Brühe gekocht und getrunken – sind in den
entsprechenden Textsorten geschildert. Erst zum Ende des 18.
Jahrhunderts lassen sich in Beschreibungen kannibalischer Riten
nordamerikanischer Indianer Hinweise auf das Herausreißen von
Herzen finden. In pazifischen Gesellschaften dagegen gilt der Verzehr
von Köpfen, Beinen und Armen – glaubt man ethnologischen
Darstellungen – als beruhigendes Mittel. Denn: „Wenn man
die Toten nicht ißt, muß man Angst haben. Wenn man sie
ißt, hat man Ruhe, das Herz klopft nicht.” Aber
gleichgültig, ob der Verzehr von Menschenfleisch der Beruhigung
des klopfenden Herzens dienen soll oder Herzen aus Rache herausgerissen
und zur Speise gereicht oder im Kontext anderer Gewalttaten zum
Gegenstand des Interesses wurden: Die erzählenden Quellen
entstammen ausnahmslos der europäischen Denkwelt und verweisen
somit nicht etwa auf besondere Praktiken ganzer Ethnien oder sozialer
Randgruppen, sondern auf die Bedeutungsvielfalt des Herzens und seiner
Symbolik in der europäischen Welt.

„Menschenfresser” in
Brasilien, Kupferstich, Amsterdam 1671
Das Herz: die Stätte, an der Gedanken und Empfindungen ihren Ort haben
Welchen zentralen
Stellenwert das Herz tatsächlich einnimmt, zeigen auch weniger
drastische Befunde als die bislang dargelegten. In seinem Roman Tristan
(ca. 1215) lässt Gottfried von Straßburg die Liebenden ihre
Herzen tauschen, und wenn er die menschlichen Qualitäten seines
Publikums wie auch von Liebenden erörtert, spricht er von
„edelen herzen“ – das Herz ist hier also pars pro
toto für den ganzen Menschen.
Medizinische, literarische, politische und religiöse Diskurse
ranken sich um das Herzthema, und wie Gottfried greifen auch andere
Autoren auf eine reiche Tradition zurück, die in die Antike
zurückreicht und jüdische, griechische und römische,
christliche und muslimische Stränge enthält. Schon in der
hebräischen Bibel ist das Herz die Stätte, an der
Empfindungen ihren Ort haben, Gedanken und Entschlüsse entstehen
und der Charakter eines Menschen sitzt. Dass die Rabbiner über
sechzig Gefühle im Herzen lokalisierten, zeigt, wie intensiv sie
sich mit diesem Körperteil befassten. Nicht zuletzt zeugt eine
solche Beschäftigung auch von dem immensen Respekt, der dem
individuellen Menschen seit der Antike gezollt werden konnte.
Im Herzen sitzen – so meinte man – vielfältige
menschliche Kräfte: die Seele, das Leben oder das Denk- und
Gedächtnisvermögen, die personale Selbstbestimmung und
Selbstverfügung, so dass das Herz eng verbunden mit dem lebendigen
Zentrum der Person erscheint, wenn es nicht gar selbst deren
Mittelpunkt darstellt. Stets ist es das menschliche Herz, das solche
Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfährt. Noch der Zedler
– ein reichhaltiges Konversationslexikon aus der ersten
Hälfte des 18. Jahrhunderts – widmet eine ausführliche
Darstellung dem menschlichen Herzen, seiner Beschaffenheit, seiner
Funktionsweise, seinen Lebensbewegungen und Lebensgeistern, seinem
Charakter als perpetuum mobile und der ihm zugrunde liegenden
göttlichen Weisheit. Zum „Hertz derer Thiere”
informiert lakonisch erst ein eigener nachfolgender Artikel: „Ist
einer harten und trockenen Natur, doch wann es wohl gekocht, so giebt
es einen guten Nahrungs-Safft, und dessen nicht allein genug, sondern
auch beständig.”
Das Herz im menschlichen Körper kann nicht nur für den
Mikrokosmos des einzelnen Menschen stehen. Auch der Kosmos wird
vielfach im Bild des menschlichen Körpers verstanden – wenn
etwa in der Astrologie die Sonne dem Herzen zugeordnet ist.
Die Gesellschaft als Körper mit Kopf, Herz und Gliedern
Das Herz kann aber
auch – und hier wird es besonders spannend – als Teil eines
politischen Körpers angesehen werden. In solchen Vorstellungen,
die es seit der Antike gibt, erscheinen die Gesellschaft und ihre
Strukturen und politischen Machtverhältnisse als Bild eines
menschlichen Körpers. Kopf, Herz und Glieder dieses
Gesellschaftskörpers werden dabei in unterschiedliche
Verhältnisse zueinander gestellt. Wie ihre Beziehungen jeweils
bestimmt werden: Immer geht man bei diesem Bild davon aus, dass sie in
einem organischen Zusammenhang miteinander verbunden sind. Sie stehen
in einem „natürlichen” und notwendigen Verhältnis
zueinander, das nicht aufgelöst werden kann, ohne dass der ganze
Körper empfindlichen Schaden erleidet oder in seinem Leben bedroht
ist.
Kein Teil einer solchen als Körper gedachten Gesellschaft sollte
fehlen. Alle Teile sind wichtig und notwendig. Einige aber sind von
ungleich vitalerer Bedeutung als andere. Das Herz wie der Kopf
gehören zu diesen schlechthin unverzichtbaren Teilen. Aber sie
sind nicht nur in besonderer Weise Sitz der lebendigen Kräfte, die
diesen Gesellschaftskörper bewegen, sondern darüber hinaus
auch der organisierenden Fähigkeiten, die ihn zusammenhalten,
seine Aktivitäten zu sinnvollen Handlungen gestalten und Richtung,
Rhythmus und Ziel seiner Bewegungen festlegen. Obwohl die Teile des
Körpers auch in einem gleichberechtigten Nebeneinander gesehen und
damit ihr freiheitliches Verhältnis zueinander betont werden kann,
tritt vielfach das Herz mit dem Haupt in Konkurrenz darum, die
verschiedenen Glieder dieses politischen Körpers zu beleben und zu
regieren. Ob nun Herz oder Kopf der Vorzug gegeben wird – in
jedem Fall stehen sie in Antike, Mittelalter und Früher Neuzeit in
einem streng hierarchischen Verhältnis zum restlichen Körper.
Wer aber ist es, der als Herz oder Kopf herrscht und regiert? Aegidius
Romanus etwa sah 1285 in Philipp dem Schönen, dem
französischen Thronfolger, sowohl Herz als auch Haupt des
königlich regierten Gesellschaftskörpers. Tolomeo von Lucca
(1236-1326) hingegen, ein Verfechter kirchlicher Positionen, fand, dass
die Funktion des Herzens im Sozialkörper dem Papst zuzusprechen
sei. Man musste sich jedoch keineswegs für eine einzige regierende
Macht im Gesellschaftskörper entscheiden: Ein anonymer Verfasser
– Parteigänger Philipps des Schönen – sah 1302
den Papst als Kopf und zugleich den französischen König als
Herz regieren, wobei er dem Herzen die maßgeblichere Funktion
zusprach.
Das Herz als König des Körpers
Derartige
politische Debatten konnten ihre Spuren auch in medizinischen Diskursen
hinterlassen: Der Leibarzt Philipps des Schönen, Henri de
Mondeville, beschrieb in seinem Traktat der Chirurgie (entstanden
zwischen 1306 und 1320) das Herz als den König des Körpers,
das aus dessen Zentrum heraus herrsche. Es befindet sich bei ihm im
symbolischen Mittelpunkt des Körpers und führt allen anderen
Gliedern lebensspendende Kraft zu. Das Herz wurde danach vor den
anderen Teilen erschaffen und regiert über den ganzen Organismus,
während andere „edle” Teile wie Gehirn und Leber nur
über gewisse Teile desselben regieren, wie ein Feudalherr mit
seiner lokal begrenzten Machtbefugnis. Die Mitglieder des Körpers
helfen einander und gleichen Verletzungen und Schwächen
gegenseitig aus. Alle Teile aber dienen letztlich dem Herrscher, dem
Herzen.
Ganz ähnliche Beziehungen zwischen Politik und Medizin sah noch
dreihundert Jahre später William Harvey. In der Widmung seiner
Schrift „Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in
animalibus”(1628) an seinen König, Karl I. von England,
empfahl er ihm – ganz in der Tradition mittelalterlicher
Fürstenspiegel – das Studium des Herzens, weil es eine
göttliche Ähnlichkeit mit den Handlungsweisen eines
Königs aufweise. Das Herz sei das Fundament des Lebens, der Sonne
eines Mikrokosmos vergleichbar; in derselben Weise sei der König
die Grundlage des Königreichs, Herz des Commonwealth und Sonne,
von der alle Macht und Kraft abstamme. In Harveys späteren
Schriften (1649 und 1651), die erst nach der Hinrichtung des
Königs entstanden sind, wird das Herz nebensächlich.
Die politische Bedeutung des herrscherlichen Herzens
Die politische
Bedeutung des herrscherlichen Herzens hob schließlich bildhaft
ein im 13. Jahrhundert geschaffenes Grabmal hervor,Diese herausragende
Bedeutung herrscherlicher Organe allgemein und des Herzens im
Besonderen lässt sich für die römisch-deutschen Kaiser
seit Otto I., Otto III. und allen salischen Herrschern anhand der
Bestattungsrituale belegen. Zwar geben schon ältere
Erzählungen über die Beisetzung von Heiligen – wie etwa
diejenige des heiligen Meinrad im Jahr 861 – Hinweise darauf,
dass das Herz eines Verstorbenen schon früh vom übrigen
Körper getrennt begraben wurde. Die medizinischen Gründe
hierfür liegen auf der Hand, wenn man bedenkt, dass bisweilen
Wochen, wenn nicht gar Monate zwischen Tod und Bestattung eines
Menschen liegen konnten. Neuerdings möglich gewordene chemische
Analysen haben gezeigt, dass der Körper des am 4. Dezember 1137 in
Tirol verstorbenen Kaisers Lothar von Süpplingenburg zwischen
fünf und sechs Stunden lang gekocht worden war, bevor man das
Fleisch von den Gebeinen lösen und das Skelett einige Zeit
später in Sachsen bestatten konnte. Doch lassen testamentarische
Verfügungen wie diejenige Kaiser Heinrichs III. vermuten, dass
Leib und Herz nicht nur aus hygienischen Erwägungen, sondern auch
aus politischen Gründen voneinander getrennt werden konnten. Der
Leib des Herrschers wurde in die Grablege seines Vaters nach Speyer
überführt, das königliche Herz aber in Goslar verwahrt.
Damit blieb das Herz über das Lebensende hinaus mit dem Ort
verbunden, der dem Herrscher deswegen am Herzen liegen musste, weil die
Pfalz im Zentrum sächsischer Macht stand. Heinrich III. hatte die
Nachfolge als Sohn des Saliers Konrad II. angetreten, der seine
Abstammung von den sächsischen Kaisern als Urenkel einer Tochter
Ottos I. über die weibliche Linie ableitete und dessen salische
Wurzeln die sächsischen Adeligen mit Misstrauen beäugten. das
die liegende Gestalt Heinrichs mit geöffneten Augen darstellte und
Herz und Körper auf diese Weise symbolisch wieder
zusammenfügte.
Die so
versinnbildlichte machtpolitische Bedeutung kaiserlicher und
königlicher Herzen lässt sich aber nicht nur für das
hohe Mittelalter konstatieren. Nachdem die Kaiserwürde dauerhaft
an das Haus Habsburg übergegangen war, pflegten diese zunehmend
die Sitte, die Leiber der Verstorbenen in der Kapuzinergruft zu
bestatten. Die Herzen wurden hingegen im sogenannten
„Herzgrüftl” in der Lorettokapelle der Augustinergruft
verwahrt und die bei den Einbalsamierungen entfernten Eingeweide in der
Fürstengruft bei St. Stephan in kupfernen Gefäßen
aufgehoben. Die bis heute zu besichtigende Sammlung zählt
insgesamt 56 Urnen, von denen eine auch die Intestinen des 1878
verstorbenen Erzherzogs Franz Carl enthält.
“I have the heart and stomach of a king“ (Elizabeth I.)
Dass ein solches politisches Herz nicht ohne weiteres als geschlechtsneutral gelten konnte, machte die englische Königin Elisabeth I. sehr deutlich, als sie 1588 ihre Soldaten in den Kampf gegen die spanische Armada führte: „I know I have the body of a weak and feeble woman, but I have the heart and stomach of a king, and of a king of England too [...]”. Auch in der Französischen Revolution war das Herz der Königin politisch, und es bildete die Zielscheibe politischen Handelns. Als am frühen Morgen des 6. Oktober 1789 eine bewaffnete Menge das Versailler Schloss stürmte, soll eine Frau geschrien haben, man solle „dem Weibsbild [Marie Antoinette] das Herz herausreißen, den Kopf abschneiden, ihre Leber rösten, und auch dann sei noch nicht alles vorbei.”